23. Deutsch-Polnisches Seminar am 28. und 29. November 2015

Das 23. Deutsch-Polnische Seminar widmete sich zwei aktuellen Fragen zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in und von Europa: Polen nach den Wahlen - Welche Veränderungen in der polnischen Europapolitik sind zu erwarten? und "Wir schaffen das!" - Herausforderungen für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise.

v.l.: Jannina Zanner (Geschäftsführerin der Europa-Union MV), Jürgen Lippold (Landesvorsitzender), Anna Rawska, Dariusz Pawlikowski (Präsident KTSK), Fritz Rabe, Michael Löffler (Sozialdezernent MSE), Michael Stieber (Kreisvorsitzender). Foto: M. Stieber

Das diesjährige Deutsch-Polnische Seminar war eine gegenüber den sonst üblichen Gepflogenheiten aus Finanzierungsgründen gekürzte Tagung. Sie erwies sich insgesamt aber als eine inhaltlich interessante und die über 30 Teilnehmer ansprechende Veranstaltung.

 

 

 

 

Zwei Themen wurden im Seminar bearbeitet:

* Polen nach den Wahlen - Welche Veränderungen in der polni-schen Europapolitik sind zu erwarten?

* "Wir schaffen das!" - Herausforderungen für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise


Zum ersten Thema sprach der Journalist Dariusz Pawlikowski von "Radio Koszalin", unterstützt von seiner Kollegin Anna Rawska als Dolmetscherin, beide von unserem Partnerverein "Einiges Europa" aus Koszalin. Er hob die besondere Situation hervor, die darin besteht, dass zum ersten Mal in Polen eine Partei, "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), die absolute Mehrheit erreicht hat und nun allein regieren kann. Das erfordere eigentlich die Wahrnehmung einer größeren Verantwortung durch die Regierungspartei, es deute sich aber an, dass mit mehr ideologischer Leichtfertigkeit national-konservative Tendenzen die Politik bestimmen werden. Die politische Landschaft in Polen hat sich verändert. Eine überhöhte Orientierung auf die nationale Gemeinschaft und die Verstärkung von Euroskeptizismus wird sich erschwerend auf die europäische Politik und auf das Verhältnis zu anderen Staaten, u. a. auch zu Deutschland, auswirken.
Die Teilnehmer des Seminars konnten dieser Einschätzung folgen, wiesen aber auch auf die Probleme hin, die bei einer weiteren Verschärfung des Verhältnisses zu Russland, u. a. auch durch eine angestrebte Stärkung der NATO-Präsenz in Polen, entstehen können. Alle waren sich jedoch darin einig, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen darunter nicht leiden dürfen: wir müssen miteinander im Gespräch bleiben!
 
Zum zweiten Thema referierte der Sozialderzernent des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Herr Michael Löffler, der sehr instruktiv die aktuelle Flüchtlingssituation sowohl im Land Mecklenburg-Vorpommern als auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte darstellte. Er machte überzeugend sichtbar, dass wir - entgegen allen Gerüchten - im Land und in unserem Kreis gut aufgestellt sind und die Lage beherrschen können. Das gelte für die zurzeit im Landkreis anwesenden knapp 4.000 Flüchtlinge ebenso wie für die noch hinzukommenden Asylbewerber, da Mecklenburg-Vorpommern nach der bestehenden Quotenregelung in der Bundesrepublik 2,04 % der unterzubringenden Personen aufzunehmen habe. Uns komme im Kreis zugute, dass wir unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung über freie Ausbildungs- und Arbeitsplätze verfügen und auch noch ausreichend leerstehender Wohnraum vorhanden ist. Jetzt und in den kommenden Jahren wird alles von einer erfolgreichen Integration der Flüchtlinge abhängen. Der Referent war sich sehr sicher: "Wir schaffen das!"


In der Diskussion kamen eine ganze Reihe persönlicher Eindrücke, Besorgnisse und  Erfahrungen zur Sprache. Es wurde aber auch darauf verwiesen, dass wir nicht vergessen dürfen, dass die Flüchtlinge aus einer für sie hoffnungslosen Situation heraus zu uns gekommen sind. Insgesamt überwog die optimistische Erwartung, die Anforderungen an Staat und Gesellschaft erfolgreich bewältigen zu können.

Bericht von Prof. Joachim Gasiecki

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